Unfall. Na und? – Gesellschaft am Abgrund

So aktuell geschehen in Brandenburg auf der A10

Wie „Nonstopnews“ berichtet war ein 22 Jähriger Autofahrer etwas schneller unterwegs und übersah einen Sattelschlepper. Bohrte sich bis zur B-Säule unter den Auflieger und wurde vom LKW rund 100 Meter in seinem Wrack mitgeschleift.  Nach dem sich der Fahrer selber ein Stück weit befreien konnte, kam ihm ein LKW-Fahrer zur Hilfe. Für ihn war das Helfen, bis ein Krankenwagen vor Ort war, selbstverständlich. Vielen anderen, die mit zum Teil hoher Geschwindigkeit über die Trümmerteile, die über alle drei Fahrspuren verteilt waren,  hinweg fuhren, offenbar nicht. Der Unfallhelfer musste selbst aufpassen, nicht angefahren zu werden.

Gesellschaft am Abgrund?

Wie eilig muss man es haben, um an einem Unfallwrack vorbei, einfach seines Weges zu fahren? Oder ist es die Gleichgültigkeit, die wir zum Schutz vor  anderen Mitmenschen um uns herum aufbauen? Jeder könnte in dieser Lage stecken und wäre sicher dankbar um Hilfe. Wieviel ist ein Menschenleben wert? Zu mindest nicht so viel, das man sich den Feierabend mit Blut am Hemd, schmutzigen oder gar verletzten Fingern und eventuell noch Regendurchnässt, versauen lässt. Was könnte einem Unfallopfer den Feierabend noch mehr versauen als er sowieso schon versaut ist? Ein Unfallopfer hat schon Blut am Hemd, schmutzige Finger und kämpft ums Überleben! Eine Verunglückte Person denkt nicht darüber nach, welcher Film heute abend noch angeschaut wird oder welcher Pizza-Bote noch angerufen werden könnte, um den ausgehungerten Magen zu füllen.

Ein Unfallopfer bangt darum, überhaupt wieder das zu Hause zu sehen. Es könnte schneller zu Ende sein, als einem Lieb ist. Blutverlust, unterkühlung, giftige Dämpfe von Flüssigkeiten, die bei beschädigten Komponenten des Autos irgendwo auslaufen. Oder das verunglückte Auto fängt Feuer. Da geht es wirklich um jede Minute.
Ist Helfen nicht mehr „en vogue“ ?

Bequem vorbei – statt mittendrin.

Natürlich ist es ein Aufwand für einen Helfer, das Auto abstellen. Die Schutzweste hervorkramen und anziehen. Zum Verunglückten Auto latschen und sich unter Einsatz seines Lebens die Finger schmutzig machen. Eventuell holt man sich auch noch Verletzungen durch zerbrochene Scheiben oder zerfetzte Blechteile. Wie ist es doch um einiges Bequemer im  Intakten Auto zu sitzen, die Musik in angenehmer Lautstärke. Gerade so laut, das man das Knirschen der Wrackteile beim überfahren nicht hört. Als würde man zu Hause auf dem Sofa sitzen und die Nachrichten schauen.  Es wird sich schon jemand drum kümmern.

Ursachenforschung – Zu viel Nachrichten.

Woher kommt dieses Abstumpfen gegenüber seiner Mitmenschen? Könnte es sein, das wir zu viel Elend, Unfälle, Gewalt und eben genau diese Gleichgültigkeit tag täglich sehen? In Filmen und vor allem Nachrichten kommt es immer wieder zu Gewalt und die Darstellung von Katastrophen. Durch diese Flut an Bildern von Unfall oder Katastrophenopfern, kann ein einzelnes Fahrzeug, das beschädigt am Strassenrand steht nicht gegen ankommen. Es geht in der Wahrnehmung einfach unter. Vieleicht kommen dem einen oder anderen kurze Gedankenblitze: „Oh, ein kaputtes Auto. Übel zugerichtet. Hat es aber schwer erwischt….  …. bin schon vorbei …. … bin schon zu weit weg zum umdrehen. Wird sich schon jemand drum kümmern…“

Ob jemand so denkt, der in einem verunglückten Fahrzeug sitzt? Mit Sicherheit nicht. Eine eingeklemmte Person wird nach dem zehnten Auto, das vorbei fährt, aufhören zu zählen. Und hoffen, das nicht alle Menschen die gerade hier entlangfahren, Arschlöcher sind.

Mut zuM Helfen.

Geben wir uns Mühe, nicht die Arschlöcher dieser Gesellschaft zu sein, die wir nicht haben wollen. Jeder muss bei sich anfangen. Sonst wird das nie was. Jeder hat ein Recht darauf, das ihm geholfen wird. Der Mut, etwas Gutes zu tun, muss größer sein, als die Angst davor, das Feierabendbier eine Stunde später als sonst aus dem Kühlschrank zu holen.

Grüßle Euer Larry