Findelkind – Was nun?

Schwerin – Ein kleine Junge lag in eine Decke gehüllt – und schrie.

Eine Zeitungsbotin fand Freitagmorgen gegen 5 Uhr vor einer Haustür in der Ziolkowskistraße (Schwerin) einen stark unterkühlten Säugling. Laut Krankenhaus habe er etwa eine halbe Stunde vor dem Hauseingang gelegen. Der ansonsten nackte, nur in eine Decke gehüllte, Säugling hatte noch einen Teil der Nabelschnur dran. Die von der Polizei eingesetzten Spürhunde konnten aufgrund der Witterung und der Kälte von nur einem Grad keinerlei Spuren weiterverfolgen. In Schwerin gibt es für einen solchen Fall in der Helios-Klinik eine Babyklappe. Diese werde auch drei bis vier mal im Jahr benützt. Nicht so in diesem Fall.

Kurzschluss

Was muss im Kopf einer Mutter vorgehen, sein eigenes Kind einem solchen Schicksal auszuliefern? Wie verzweifelt muss jemand sein, der sich nach einer sehr Kraft raubenden Geburt zu einer solchen Kurzschlusshandlung verleiten lässt? Oder war es in diesem Fall nicht die Mutter selber? Hätte eine gerade entbundene Mutter die Kraft, eine längere Strecke mit einem schreienden Kind zurück zu legen? Immerhin wurde das Kind so abgelegt, das es von der Zeitungsausträgerin recht Zeitnah gefunden werden konnte. Eventuell wäre dies ein Ansatz. Der Baby-Ableger könnte die Route und die Zeiten der Zeitungsausträgerin gekannt haben. Dies macht die Sache aber nicht besser. Das Risiko wurde etwas dezimiert aber nicht völlig ausgeschlossen, das trotzdem etwas Schlimmeres passieren hätte können.

Problem der Gesellschaft

Das Problem ist aber ein anderes. Warum bekommen wir es in unserer Gesellschaft nicht hin, das ein (ungewolltes) Baby kein Weltuntergang für die betroffene Mutter bedeutet? Warum ist es in den Köpfen vieler eine Schande oder eine Bedrohung für die eigene Zukunft? Das Leben sollte freudig erwartet und begrüßt werden. Eine wichtige Komponente wäre für mich, in der Schule zu sensibilisieren. Pro Kind. Nicht dafür werben, als 13 jährige Schwanger zu werden. Hauptaugenmerk muss natürlich bei der Aufklärung und Verhütung liegen. Da gibt es sicher einiges zu tun. Nur sollte es in den Köpfen drin sein, das man sich nicht schämen braucht, sollte etwas „passieren“. Anlaufstellen für Beratung, Vertrauenspersonen in den Schulen sowie auch Hilfe für die angehenden Omas und Opas muss bereit gestellt werden, um Angst und Sorge frühzeitig abzufedern.

Immer wieder wird betont, wie sozial unser Land ist, wie viel Geld in Projekte gegen Armut, Hunger und Krankheit in aller Welt gesteckt werden.

Harz 4 lässt auch die Ärmsten der Armen genug zum Leben oder zumindest zum Existieren. Trotzdem gibt es Menschen, die betteln müssen oder mit Pfandflaschen ihren Lebensunterhalt aufbessern müssen oder gar sich jeden Abend aufs neue einen Platz unter einer Brücke für die Nacht suchen müssen.

Grundsätzliche Denkweise ändern

Wäre es nicht an der Zeit, tiefgreifende Änderungen in der Denkweise zum lösen der grundsätzlichen Probleme anzugehen? Warum reicht das Geld für viele nicht bis zum Ende des Monats? Andere habe wegen fehlender oder niedriger Bildung keine Chance in einen Job zu kommen. Warum ist das Scheiß Geld nur immer so ungerecht verteilt?

Auch ein Ansatz wäre, eine Adoption einfacher zu machen. Wie viele Eltern wünschen sich ein Kind und haben aufgrund medizinischer Indikation nicht oder nur erschwert die Möglichkeit sich diesen Kinderwunsch zu erfüllen. Somit wäre, vor der Notwendigkeit einer Babyklappe, ein Ausweg gegeben. Ein Ausweg für mehrere Parteien. Eine Mutter, die keine sein möchte oder sein kann, würde von der seelischen Belastung befreit werden und ein Päärchen, das sich gerne den Traum eines Kindes erfüllen und liebevolle Eltern sein möchte, wäre geholfen. Auch für gleichgeschlechtliche Paare bzw. eingetragene Lebenspartnerschaften könnte dies eine Chance für beide Seiten sein. In Neu-Deutsch wäre das ein WIN/WIN. Aber, bis wir solche Findelkinder der Vergangenheit zuschreiben können, vergeht sicher noch einiges an Zeit.

Euer Larry

 

(Ein anderer Artikel)